렌트카 // Roadtrip in Korea (Korea VI)

Meine koreanische Zeit wird immer wertvoller. Nicht das mein Wert hier dermassen gestiegen ist, seit ich einige Brocken Koreanisch um mich werfen kann. Eher verschlingt das studieren hier sehr viel Zeit und meine Tage hier gezählt: Entweder greifen Kim's Truppen zuerst an und wir werden von der Schweizer Botschaft zwangsevakuiert oder mein regulärer Rückflug kommt zuerst. An die erste Option glaubt hier niemand. Ein Artikel über koreanische Fahrkünste, einen Roadtrip um die halbe Halbinsel im Stau verbringen kann ...


렌트카 (Raen'te'ca, Rent A Car)

Wer hätte es gedacht? Unser Mietwagen ist ein HYUNDAI Sonata (Hiun'dää ausgesprochen) - der VW Golf der Koreaner. Alt ist er nicht, aber einige Narben hat er schon. Koreaner sind wahrlich nicht für netten Fahrstil bekannt. Getönte Frontscheiben geben ihnen genügend Anonymität Vortritte, rote Ampeln und Speedlimits gekonnt zu ignorieren.

Ich gebe mir vorher kurz einen online Crashkurs auf einer Expat-Website und einen lustigen Lernfilm der U.S. Army zur vorherrschenden StrassenVordränglerkultur. Voila!


Es stellt sich dann als weniger schlimm heraus als im Video propagiert. Unser Hyundä schwimmt gut im Strom aller anderen Hyundä's und KIAs mit. Für alle Nachahmer trotzdem ein paar eigene persönliche Tipps:

1. Koreaner nehmen so ca. 5 Fahrstunden bevor sie die Prüfung machen. Und so fahren sie auch. Ruppig, wenig umschauend und egoistisch. Einige Foren sagen auch, sie fahren wie sie gehen. Motto: "Jeder schaut ein wenig, es geht dann schon."

2. Hat es keine Ampel, geht der Vortritt an den mit den Waghalsigeren. Um vorwärts zu kommen braucht es ein bisschen Mut sich auch mal irgendwo reinzudrängeln. Eigentlich gelten ja ähnliche Regeln wie in den Staaten.
Passiert bei Rot zulange nichts, wird mal gerne unbemerkt über die Kreuzung gekrochen.

3. Es gibt überall Blitzer. Das Gesetz sagt aber, dass mit Tafeln gewarnt werden muss. Im Naver-Navi sind alle vermerkt. Auf langen geraden Strecken (z.B. Brücken, Tunnels) werden Streckenmessungen gemacht. Die sind auch angekündigt und im Navi wird der bisherige Durchschnitt angezeigt.



4. Genügend lange Blinken beim Spurwechsel hilft. Nicht das es die Koreaner wirklich machen, aber immerhin kann man ihnen so, vielleicht ein bisschen Strassenmanieren beibringen, und manche machen auch Platz.

5. Intercity(IC)-ways kosten Maut und manche Strassen mit langen Tunnels oder Brücken auch. Das muss bar bezahlt werden.

Jetzt aber zum schönen Teil der Reise. Ich lasse gerne die Bilder sprechen:

"The Road Trip team" - mit Fundstücken vom Damm nach Sinsi-Do
Blick von Sinsi-Do über die westlichen Inseln
Wir sind die heimlichen Stars am Stadtfestival in Buan.

Paiting-Pose mit dem Bürgermeister und dann noch ein bisschen Wahlkampf.
Verneigt euch vor dem Tempel.
Ohh, zwei Schweizer haben Natur gefunden.
Yamyam, das Essen unterwegs.
Und gute Restaurants haben einen Kalender mit der Jungfraubahn!

백남도서관 // Eine Nacht in der Paiknam (Korea V)

Ich habe ja bös im vorletzten Post behauptet, die Koreaner lernen schon 3 Wochen vor den mid-term Prüfungen wie die wilden. Heute Nacht habe ich einige Stunden in der "Paiknam Academic Information Center and Library" - oder wie ich sage "in der Konservendose des Wissens" - verbracht.
Jetzt muss ich korrigieren: Das war noch gar nichts! Im Moment wird hier richtig gebüffelt. Ein kurzer Blogpost zu später Stunde über das Haus des Wissens auf dem Gipfel des Hanyang Mountain.

Konzentrierte koreanische Gesichter in der Paiknam Bib.
백남도서관 (Paik'nam'do'seo'gwan, Paiknam Library)

Als ich zu Classmate Seungyeon heute scherzhaft meinte, ihr bester Freund sei die Bib(liothek), verdrehte sie nur müde die Augen. Lange sei ihre letzte Nacht vor der 3stündigen Prüfung heute gewesen. Bis um 6am lernen, dann ein kurzes Nap und rann an die Prüfung.

Aufgrund diverser skurriler Beobachtungen anderer Austauschstudenten (vor allem früh morgens), musste ich auch mal in die Paiknam. Seungyong war so nett, mir eine kurze Einführung in das koreanische Buchungssystem der Sitzplätze zu geben. 
Ja, es gibt am Eingang zu jedem der sechs Lernräume Lernhallen einen Touchscreen der sagt, welche Plätze noch frei sind. Gegen Einlesen der Student-ID kann sich 4 Stunden darin einmieten und erhält eine Quittung um den Sitzplatz gegen freche Mitstudenten zu verteidigen. Abends um halb 10 waren noch vereinzelt (!) Plätze zu haben.

"Wenn du verlängern willst, musst du zwischen den beiden Zeiten hier wieder an den Automat gehen und deine Reservation bestätigen." Ich lese auf der Quittung "00:36:32 - 01:36:32" (ja die Koreaner nehmen es sehr genau mit der Zeit). Ich schaue sie von der Seite an, sie grinst. Ihr ist bereits klar, dass ich nicht lange bleibe.

Die Zeit läuft. Es gilt: Nur nicht verschlafen,
wenn die Zeit abläuft.
Der Raum ist riesig, eine kleine Turnhalle. Es riecht auch fast so, eine Mischung aus dampfender Hirnmasse und Angstschweiss vor der Prüfung am nächsten Morgen. Rund 150 Studenten drücken in diesem Raum Wissen in sich hinein. Mehrheitlich Bulemie-Lernen, denn hier wird meist noch nach alter Schule alles reingestopft. Open-book-Prüfungen mögen die wenigsten Studenten. Da wisse man nie was komme und müsse viel überlegen ...

Die Klimaanlage schnurrt müde, die Blicke der meisten sagen das gleiche. Zwischen Fronten von iPads und Büchern herrscht extreme Ruhe. Mir ist das eher ungeheuer. Ich stöpsle klassische Musik in die Lauscher, das soll gut sein für die Synapsen. 

Bevor die Frage kommt: Nein, ich war nicht nur fürs Sightseeing da, sondern habe auch ein wenig auf den Folien für die Prüfung morgen herumgemalt. Aber nur kurz. Der Platz am Ausgang hilft mir, ohne verwunderte Blicke kurz vor 11pm zu verschwinden. 
Mein Gewissen nicht weiter zu lernen, beruhige ich mit einem leeren Laptopakku und der Physikformel Arbeit = Leistung * Zeit. Meine Zeit war kurz, aber die Leistung gross, murmle ich wahrscheinlich noch im Schlaf. 

Und trotz hunger, wird das eigentliche Thema "Essen in Korea" auf später verschoben. Gute Nacht and keep paiting!

Erinnert mich an das Theater in St.Gallen: Die Paiknam Library nachts von aussen.

부활 그리고 북한 // Ostern & Nordkorea (Korea IV)

Ostern und Nordkorea haben eigentlich zwei getrennte Posts verdient. Über Oster gibt es aber wenig zu schreiben, der Wilde Norden ist dafür omnipräsent. Ich befasse mich mit beidem gleichzeitig und versuche wieder ein bisschen Einblick ins koreanische Denken zu geben. 

(부활 이고 북한, bu'hual & buk'han, Easter & Nordkorea)

Ostern musste mit der KPost eingeflogen werden.
Erstmal frohe Ostern und viel Glück auf der Suche nach den Nästlis ihr Vollzeiteuropäer! Mein Ostern kam bereits letzte Woche per KPost an. Denn trotz vorherrschendem christlichen Glauben im KLand, bleibt der Schoggi-Konsum über die Festtage konstant und die Leute arbeitssam.
Generell sind Feiertage rar gesäht und richten sich an einem Mix aus chinesischem Mondkalender ( und jüngster Geschichte des Landes. Nicht so wie in Nepal, wo grundsätzlich alle Feiertage jeder Weltreligion gefeiert werden ...
Auch die Ferien sind kurz: 15 Tage bezahlter Urlaub liegt für den Arbeiter prinzipiell drin, wenn man während mind 80 % seiner Pflichtstunden anwesend war. Alles am Stück zu nehmen sei aber verpönt, wurde mir geflüstert. Mir ist jetzt auch klar, warum so viele KTourists in Europa diese 7 Tage - 20 Länder-Touren machen. 

KStudent zu sein, hat somit seinen Reiz fürs Reisen - zumindest zeitlich gesehen. Und erstaunliche viele junge Koreaner waren schon "On Top Of Tschungprau" (Jungfraujoch) für eine Portion "very expensiphe lamion" (teures Instant-Nudelgericht mit scharfer Sauce). Bitte stellt euch die Betonung etwas Koreanisch vor und sagt es, während ihr euch einen Song KPop anhört, dann tönt es direkt viel authentischer.

Nun aber zum Thema des Tages: Nordkorea. Letzte Woche hat der Onkel Donald (Donald J. Trump) ein grösseres Boot an unsere Küste geschickt und die Japaner haben Abwehrsysteme in öffentlichen Parks aufgestellt. Kimmy Hair-Cut (Kim Jong-Il) hat uns Ausländer in Südkorea gewarnt und aufgefordert, das Land zu verlassen. Der letzte Flug von Pyeongyang nach Peking fliegt morgen. 

Trotz dem internationalen Säbelrasseln geht das Leben im Süden ohne diskutieren weiter. Drohungen vom Norden gehören hier zum Alltag. Das gilt auch, wenn der Pressesprecher des nördlichen Regimes etwas häufiger am TV zu sehen ist als üblich. Die Bedeutung der Berichterstattung gleicht jener des Wetterberichts.

Interessant am Ganzen: Offiziell "arbeiten" die beiden Teilstaaten an einer "friedlichen Wiedervereinigung". Beschlossen im Jahr 2000. Über den Waffenstillstand hinaus, hat es aber bisher noch keine weitere Annäherung gegeben. Zurzeit scheint das auch wenig realistisch.

Auswirkungen hat das aber trotzdem: Die offizielle Karte von Korea, umfasst sowohl den Norden als auch den Süden. Das gilt auch für die Naver Map, das staatliche Google Maps von Korea. Und jeder Koreaner lernt, dass der 백두산 (Baek'du'san, höchster Berg Koreas) im Norden liegt.

Staatliches Naver Maps zeigt nicht nur den Süden von Korea.

Nichtsdestotrotz, hat es dieses Wochenende für einen abenteuerlichen Ausflug an DMZ ganz im Nord-Osten gereicht. Weltenbummlerin Eva und ich blickten unter einigen schaulustigen Koreanern durch die Ferngläser in den Norden.

Die Küste von Nordkorea ... 
500 Won (45 Rappen) kostet ein 2minütiger Blick
durchs Fernglas in den Norden.
KHumor: Letzte Toilette vor der Grenze.
Und zuguter Letzt noch das letzte KTopic dieses Artikels: KCopi. Letztes Wochenende war die grösste Kaffeemesse im Land. Und weil Kaffee ein wichtiger Bestandteil meines wachen Ichs ist, musste ich da unbedingt hin. Mit room mate Jack (sein Blog heisst lustigerweise Kim Jongs New Neighbor) kostete ich mich durch die rasant wachsende Kaffeekultur Koreas.

Den hiesigen Kaffeegeschmack teile ich zwar nicht, aber er lässt sich etwa so kategorisieren:
     1. kalt - es gilt alle Kaffees im Copi Shop auch kalt.
     2. schwach - Americano ist extrem beliebt.
     3. bunt - Cheesecake-Copi oder Mint-Copi gibt es alles

Cold Brew gezapft ...
... oder mit anderem Geschmack ...
... oder bunt und mit Emoji.
Jack der Alles-Tester.
Und ich mit der Gangnam Statue, aber in anderem Style. 
Genügend KBlog für heute. Es heisst natürlich auch nicht alles K-[...] hier, aber es muss mir ja auch Spass machen. ;-)

파이팅 // fighting (Korea III)

Die Wochen verfliegen hier, obwohl die Vorlesungen zu kriechen scheinen. Ich passe mich langsam der vorherrschenden Kultur von Dem-Prof-zuhören-und-möglichst-wenig-durch-Fragen-auffallen an.
Die Mid-term-exams stehen bald (d.h. in etwa 3 Wochen) an, die Koreaner hyperventilieren bereits jetzt und lernen Nächte im Café oder der Unibib durch. Schlitzaugen mit dreimal so fetten Augenringen sind keine Seltenheit. Augentropfen in den umliegenden 양약방 (yangyagbang, Apotheken) äusserst begehrt.

Ein koreanisches Paar im Olympic Park, Seoul
lässt sich in typischer Fotopose von mir ablichten.
Und immer wieder fällt das Wort 파이팅 (paiting, fighting, kämpfen). Ein Konglischer (koreanisch-englischer) Schlachtruf, um sich gegenseitig zu ermuntern, weiter zu machen. Denn die gute Note hat hier einen extremen Stellenwert. Grundsätzlich wollen alle mind. eine A oder A+. Mit einer B lässt es sich leben und eine B- und alles darunter, ist etwa eine mentale F(ailure). ⇒ Amerikanische Notengebung
Wichtig dabei sind dabei die Stunden und der Umfang des Lehrbuches. Es scheint manchmal, als gebe auch die Erscheinung eine gute Note. Viele laufen mit dicken Büchern rum oder putzen im Klassenzimmer die Zähne. Möglicherweise, um ein gutes Ansehen zu waren. Oder jedem zu zeigen, dass er/sie richtig am 파이팅 ist. Wirklich zugegeben hat es aber noch niemand ...

Treppenmythos auf dem Campus:
Gute Studenten sollen nur die linke Treppe nutzen ...
Geschlafen wird aber gerne mal auf dem Uni-Klo. Das kann zur Mittagszeit recht mühsam sein, wenn auch ich mal muss. Einige Koreaner mussten meine Notdurft schon mit lautem Klopfen ihre Dössitzung beenden.

Dabei ist die Uni hier eher wie ein Gymnasium organisiert:
Vor der Stunde gibt's einen Appell und damit Punkte fürs physische Anwesend sein. Eine Abmeldung an den Prof mit "Grippe" gilt aber auch als anwesend.
Es gibt Punkte für die kooperative Mitarbeit. D.h. nicht gross auffallen, dann sind meist 10-20 % der Note im trockenen.
In der Mitte und am Ende des Semesters gibt es je eine Prüfung. Closed-book. D.h. auswendig lernen oder "Mut zur Lücke". Koreaner machen ersteres, Austauschstudenten zweites.
Und gefragt wird, wenn überhaupt, erst nach der Lektion.

Wie vielleicht zwischen den Zeilen zu lesen ist, halte ich nicht wahnsinnig viel davon. Schlussendlich wollen die meisten jungen Koreaner einen Job. Das ist aber nicht einfach, in einem Land, wo 25 Firmen 80 % des GDP's stemmen und wegen einiger Skandale mal mehr oder weniger erfolgreich sind.
Das Studium bereitet sie aber eher weniger darauf vor - zumindest in meinen Augen. Das passive Wiederkauen des Lerninhalt fördert nicht gerade die Eigeninitiative und das Selbstvertrauen. Bei Teamarbeiten wird dies immer schnell sichtbar. Der Project Manager und Head of Creative Thinking scheint mir hier auf die Stirn tätowiert ...

Apropos Tattoo: Marketing ohne ethischen Grenzen.
Anyways, es hat sich ein gewisser Alltag eingestellt. Und immer mehr macht Seoul auf mich den Eindruck einer komischen amerikanischen Exklave, die 한글 (Hangul, koreanische Schrift), Konfuzius und einige Traditionen entwickelt haben. Das stimmt zwar nicht, zeigt aber den Spagat zwischen Tradition und westlicher 24hrs-Gesellschaft auf.

Meine Sprachen scheinen darunter etwas zu leiden. Zwar beherrsche ich Hangul und einige Bestell- und Vorstellungssätze auf Koreanisch. Ich nahm mir vor 3-5 nützliche Wörter am Tag zu lernen. Das klappt ganz gut. Heute sind bisher 파이팅 (paiting, fighting), 폰듀 (pon-dyu, Fondue) und 식품 (sagpum, Menu in der Kantine) dazugekommen.

Das tägliche Wirrwar aus Koreanisch, Englisch, Deutsch und Französisch macht aber müde. 8-10 Stunden Schlaf müssen da schon drinliegen. Da kommt Abwechslung am Wochenende immer gelegen ...

Es folgen einige Bilder, von den letzten Ausflügen:
Mein liebster Jogging-Hügel bei Nacht:
Mit Blick auf Seongdong-Gu und Gangnam-Gu.
Die Seoul-City-Wall, der Smog und ich.
Begeisterung beim Fussball-Spiel vom FC Seoul.
Koreanischer Frauentalk im Olympic Park.
Exchange student-Wanderung auf den 한란산 (Hanran Berg, höchster Berg in Südkorea, 1950m ASL).
5 Stunden Aufstieg, 0°C und 10cm Schnee auf dem Gipfel, keine Bergbahn, aber eine junge Dame
mit Ballerinas und Miniröckchen.

Ein Augenblick in Seoul (Korea II)

Nach bald zwei Wochen (gefühlte 3 Minuten) in Seoul war heute Zeit fürs Waschen, Joggen und Kaffee, sondern auch für den ersten Blogpost. Dabei ist es gar nicht so einfach die Gedanken zu strukturieren. Es gibt so viel Neues, jeden Tag. Darum hier eine lose Gedankensammlung.

running along Han River in Seoul
Joggen entlang dem Han Fluss.

Mit Hausschuhen und Laptop bin ich auf dem Weg ins nächste Kaffee. "Large Chopi saigon-ereul juu see yoo", bestelle ich an der Theke, nachdem sich die Dame höflich verneigt hat. Am Tisch neben der Theke wird 'Die Siedler' auf koreanisch gespielt, im ersten Stock kichern Pärchen in ihre Smartphones. Im zweiten wird gearbeitet. Team Project oder Einzelarbeit. Hochkonzentriert, ruhig - wie es sich hier gehört. Am Fenster ist noch Platz. Platz für diesen Blogpost.
Eigentlich ist es ja der (koreanische) dritte Stock und ich bin hier auch ein Jahr älter als in Europa - diesen kleinen Kulturschock nehme ich mit einem Lächeln hin.

Die ersten Wochen waren intensiv. Jetlag von acht Stunden, Weg finden, eine europäisch-weiche Matratze finden, Professoren-Englisch an der Uni verstehen, zehn Mal Kimchi (eingelegtes Sauerkraut an Chillipaste) testen und immer noch nicht verstehen, warum es zu jeder Mahlzeit serviert wird ...

Das Joggen am Nachmittag tat gut. Während Herr Kim und Frau Park in perfekter Trekkingausrüstung mit Wanderstöcken oder mit dem Rennrad dem Hanang (Fluss) da waren, kam ich mir in meinen abgelatschten Joggingschuhen etwas underdressed vor. Sogar ein kleiner Hügel, ca. 100 Meter hoch, hat es in der Nähe von meinem Wohnort Wangsimni / Hanyang Uni. Er blieb nicht unbezwungen von mir.

Ganz generell lebt es sich sehr einfach in Seoul. Es gibt alles in der Nähe. Aber wenig zuhause. Mein Zimmer ist etwa gleich gross, wie die Innenkabine auf einem durchschnittlichen Kreuzfahrtschiff - immerhin sind die acht Quadratmeter mit Dusche/WC und Kühlschrank dafür einzeln belegt. Eher die Ausnahme hier.
Das erklärt auch, warum hier alle im Coffee Shop, an der Uni oder in der Bar arbeiten. Der Platz ist knapp. Geschlafen wird eigentlich auch überall. Metro, Unterricht und KFC am Sonntagmorgen um 5 Uhr...

Mein einzig wirkliches Problem war bisher die Kommunikation. Vieles - d.h. eigentlich nur Ortsnamen, wenn ich ehrlich bin - wird in lateinischer Schrift übersetzt. Hangul, das koreanische Alphabet lesen und schreiben können, ist aber ein must. Sonst nützt nämlich auch der Englisch-Korenaisch-Übersetzer nichts und Google-Dienste beschränken sich auf ausserhalb von Korea. Maps und Suche sind schlecht und verpönt. Naver ist hier das Mass aller Dinge.

Ich bin gespannt wie meine Partnerarbeit an der Uni mit Min wird. Er spricht so viel Englisch wie ich Koreanisch. Er war dafür schon "on tschangfrau", auf dem Jungfraujoch. Ein Pluspunkt.

Und apropos schnelles Internet: Das gilt nur für den Zugriff auf Seiten innerhalb von Korea und wenn nicht 10'000 andere im gleichen WLAN sitzen.

Gwangjin-Gu bei Nacht
Gwangjin-Gu bei Nacht.
Korean BBQ with old friends
1st Korean BBQ with old friends
Wellenbad Korean Style: Ab 1 Meter Wassertiefe ist eine Schwimmweste Pflicht!
Wellenbad Korean Style: Ab 1 Meter Wassertiefe ist eine Schwimmweste Pflicht!
Pyoengchang - hier finden nächstes Jahr die olympischen Winterspiele statt. But not toofast!
Pyoengchang - hier finden nächstes Jahr die olympischen Winterspiele statt.
But not toofast!
Servicegesellschaft am Skilift. Der Angestellte verneigt sich vor jedem aussteigenden Gast.
Servicegesellschaft am Skilift. Der Angestellte verneigt sich vor jedem aussteigenden Gast.

Nächster Halt 서울 (Korea I)

Zugegeben: Die koreanischen Schriftzeichen für Seoul (서울) habe ich (noch) ergoogelt. Aber der Koreanisch-Kurs ist gebucht, der Flug auch und der Platz in der Uni-Bibliothek reserviert. Nächstes Semester studiere ich in Korea! Ein kleines FAQ ;-)
Fremde Schift, fremde Kultur: Seoul bei Nacht. (c) by Caroline Meier

Warum genau Korea?

Ich wollte unbedingt was ganz Fremdes und darum nach Asien. Korea ist für hartes Lernen bekannt. Die Uni-Bibliothek ist in meinem Fall 24/7 geöffnet. Nach einer Absprache mit der Hochschule blieben noch Peking, Singapur, Hong Kong und eben Seoul übrig. Seoul hat sowohl etwas westliches, sehr traditionelles und vor allem genügend Kurse in Englisch.
Schlussendlich hatte ich auch einfach Glück, dass das Abkommen zwischen den beiden Hochschulen noch innerhalb der Anmeldefrist zustandegekommen ist.

Wie bereitest du dich vor? Lernst du Koreanisch?

Viel zu machen gibt es im Moment nicht. Auf das Visum warten, hier studieren und arbeiten (schliesslich ist Seoul nicht ganz günstig). Ich sehs wie eine lange Reise an, da lohnt es sich auch nicht viel zu planen und nervös zu sein. Es kommt eh anders als geplant und das Freigepäck auf 30kg limitiert.
Koreanisch lerne ich an der Uni in Korea, die Kurse sind dort auch gratis und wahrscheinlich nützlicher als hier. Einige Phrasen und Zahlen werde ich aber schon noch lernen.

Kann ich das auch? Ich will auch weg!

Dann los! Lange zögern und überlegen macht wenig Sinn, die Vorbereitungszeit ist lange und alle offenen Fragen lassen sich nicht vor der Abreise beantworten.
Aus meinen bisherigen Erfahrungen folgender Tipp: Direkt mit den Zuständigen an der Uni reden, Wünsche äussern und nicht locker lassen, öffnet Türen (resp. schaltet Länder frei). Vor meinem Versuch nach Asien zu wollen, gab es keine Partnerschulen in Asien. Jetzt sind es 4!

"Gedanken auf Reisen" sind natürlich auch in Korea voll aktiv, wenn auch vielleicht etwas universitärer geprägt als auf andern Reisen … Stay tuned!
 

Caroulein war schon vor mir in Seoul und hat die Bilder zu diesem und dem englischen Post beigesteuert. Thx!

Next stop 서울 (Korea I)

I have to admit: Google just taught me how to write Seoul in the native Korean letters. But I have booked a Korean course, the flight as well and a seat in the uni library should be reserved by now. I will be studying in Korean next semester! A bit of a FAQ to clear up your mind ;-)
What a town! Seoul, Korea. captured by Caroline Meier

Why Korea?

I wanted to go somewhere different and that is why I chose Asia. And Korea is known for hardcore learning at Uni. In my case the uni library is open 24/7 to guarantee that you have enough 'study time' …
After talking to the officials at my uni there where Beijing, Singapore, Hong Kong and Seoul as good options left. I guess that Seoul has a pretty Western World touch, but its very own traditions and rules. And of course, enough courses in English to offer. 
Finally, I had good luck, that the agreement between the two unis could be completed within the application deadline.

What is your preparation? Are you already learning Korean?

There is not much to do right now. I am waiting for my visa and I still study and work in Switzerland (Seoul is not the cheapest). I plan the whole thing like a long trip. And normally a longer trip is hard to plan or to feel nervous about because it is hard to imagine before you are there. And luggage is limited to 30kg anyways.
I am going to learn Korean at the uni in Korea. There the courses are for free and - pretty sure - more useful than here. But it might be an advantage to know some phrases or numbers, before I leave home.


I want to go! How?

Let's go! Do not hesitate for long, the preparation will take you a while and there is no way to answer all your questions before you leave.
From my experience I can tell you one thing. Talk directly to the officials at your uni, talk about your dream destination and do not let you talk into any administrative discussion. Keep your goal. Prior to my trial to go to Asia there where no partner unis in Asia. Now there are 4!

Korea will definitely be a 'Journey in Thoughts' and so there is more than enough material to feed my Blogger and finally your hungry eyes… Stay tuned!
 

Caroulein found her way to Seoul early than me and she contributed the photos for this and the German version of this blog post. Thx!

Sri Lanka Railway: Eine Zeitreise auf lottrigen Schienen (Sri Lanka III)

Haputale Railway Station, 1431m. Hier beginnt der letzte Abschnitt meiner Reise in Sri Lanka. Es liegt etwas Wehhmut in der Luft, dass ich bald wieder zum Bandaranaike Intl. Airport und nach Hause muss. Die Wehmut wird bald durch schwarze Dieselschwaden abgelöst. Der Zug nach Badulla fährt ein.

Stolze Singalesische Familie in der dritten Klasse.
Stolze Singalesische Familie in der dritten Klasse.
Ich habe für meine Co-Reisenden eine Runde ausgegeben. 25 Rupies, 16 Rappen für 90 Minuten Zugfahrt Haputale-Elle pro Person in der dritten Klasse. Eigentlich hätten wir uns auch die erste Klasse leisten können (4x so teuer), aber niemand hatte wirklich Lust auf Touristen und übermotivierte Klimaanlagen.
Entlang des Zuges schwenken Mitarbeiter der Bahn grüne Flaggen, die Lok pfeifft. Nach einigen Sekunden setzt sich der Zug mit einem so gewaltigen Ruck in Bewegung, das fast die Kupplung der Wagen zerreisst. Notwendig sei das wegen dem schlechten Schienenzustand, wie mir später erklärt wird.

Abfertigung. Grüne Flaggen zeigen, dass alle eingestiegen sind.
Abfertigung. Grüne Flaggen zeigen, dass alle eingestiegen sind.
Halt oder Fahrt? Die Signale sind über 150 Jahre alt.
Halt oder Fahrt? Die Signale sind über 150 Jahre alt, aber der Lokführer wirds schon wissen.
Am nächsten Tag wandere ich entlang der Schienen zur Nine Arch Bridge. Ein Touristenmagnet, weil es die höchste Eisenbahn-Steinbrücke im Land ist. Von zuhause bin ich mir Spektakuläreres gewohnt.
Ein Streckenwärter läuft ein Stück mit mir. Arbeit hätte er genug: Neue Schienen oder zumindest schleifen, das Schotterbett und die Schwellen erneuern. Er schaut aber, dass alle Schrauben angezogen sind und schlägt bei Bedarf einen neuen Nagel in die Schwelle. Lebensverlängernde Massnahmen.
Die berühmte Nine-Arch-Bridge mit einem 'mixed train'.
Die berühmte Nine-Arch-Bridge mit einem 'mixed train'.




Auf dem Weg nach Badulla komme ich einem Mann der "Railway Protection Police" ins Gespräch. Wir sind beide neugierig. Er will wissen, warum ich nur dritte Klasse fahre, ich, was er den ganzen Tag auf dem Zug macht. Eine eisbrechende Konversation. Scheinbar findet er mich noch lustig und innerhalb von einer guten Stunde lerne ich die ganze Zugbesatzung kennen. Circa acht Männer, weisse Uniform tragen die Abfertiger, braun die Security Guards und zivil sind weitere Security Guards an Board (allerdings unübersehbar, weil sie intensiv mitdiskutieren).
An der Zugbar will ich wissen, ob sie denn auch Alkohol verkaufen. Die Besatzung grinst, ich könne später im Bahnhof vorbeikommen, sie trinken nach Schichtende noch einen Kokusnuss-Arack.

Regionalzug, Intercity und Nachtzug im Bahnhof von Badulla, und ein stolzer Bahnhofsführer.
Regionalzug, Intercity und Nachtzug im Bahnhof von Badulla, und ein stolzer Bahnhofsführer.
Aus dem Schnaps wird schlussendlich nichts. Trinken können Sie nach ihrer 8-Stunden-Schicht, mit Verspätungen heute 9, auch an einem langweiligen Tag. Heute sei ja ich da.
Voller stolz werde ich vom Securtiy Guard, unterdessen in zivil gekleidet, über die Gleise geführt. Im wörtlichen Sinn – ich balanciere über die marode Infrastruktur. Er zeigt mir den Nacht- und Postzug, das Cockpit des modernen Intercity's. Das es wie wild "Caution – Main Break Pressure low!" auf der Systemanzeige im Cockpit blinkt, scheint ihn nicht zu stören. "From Romania", fügt er an und meint, dass sie es gut gemeint haben, den ausrangierten Zug nicht zu verschrotten.
Dann zeige ich Ihnen einige Fotos von Schweizer Zügen. Der ICN sei bestimmt "fast train, no?!" meinen sie. Ich verabschiede mich. Am nächsten Tag fahre ich mit der gleichen Besatzung zurück nach Kandy. 8 Stunden, 3. Klasse.

Obwohl die Schienen und der Fahrplan grösstenteils noch die gleichen sind, welche die Briten auf die Insel gebracht haben, scheint die Eisenbahn den wirtschaftlichen Aufschwung im Land zu vermitteln. Kommt ein Zug, bleibt das Leben kurz stehen, die Menschen schauen gebannt auf das rauchende Blechmonster und winken freudig den Touristen in der 2. Klasse zu.
Und doch passt das starre System der Bahn nicht zum quirrligen Leben auf der Insel. Einigen scheint der Zug auch etwas suspekt zu sein. Lieber im vollgequetschten Bus als mit dem Zug sind die meisten Einheimischen unterwegs. So zumindest mein Eindruck.

Mir gefällt das Bahnsystem sichtlich (siehe Bild unten). An einer Kreuzungsstelle übe ich den Spagat zwischen den kreuzenden Zügen. Der Security Guard schiesst ein Foto für mich, lacht und schwenkt dann die grüne Abfahrtsflagge. Zeit einzusteigen.


Hoher Norden: Auf dem Weg nach oben (Sri Lanka II)

Der Zug nimmt Fahrt auf, weil die Schienen noch nicht zwei Jahre alt sind. Entsprechend ruhiger wird die Fahrt. Auch weil der Zug nur zu rund einem Viertel besetzt ist – eine Seltenheit sonst. Die Fahrt geht nach Jaffna im Norden von Sri Lanka.
Wenige Touristen verirren sich hierher. Wenn, dann sind es Backpacker oder Singalesen aus dem Süden. Mein treuer Begleiter, Stefan Loose, weiss auch nicht weiter. Die Region ist im Aufbruch.

Markt in Jaffna: Ein Verkäufer preist seine Mangos an.
Markt in Jaffna: Ein Verkäufer preist seine Mangos an.

Neue Gleise quer durch Jaffna. Am Rand brennt ein kleiner Abfallhaufen.
Neue Gleise quer durch Jaffna. Am Rand brennt ein kleiner Abfallhaufen.

Alte Häuser als Mahnmal an der Bus Station in Jaffna.
Alte Häuser als Mahnmal an der Bus Station in Jaffna.

Mein Hotel hat erst vor einem Monat eröffnet. "Earlier than planned and not finished, but already fully booked one day", erklärt mir der stolze Manager im verhältnismässig klarem Englisch.
Die Hotels in meiner Preisklasse (= 8 bis 25 CHF pro Nacht) lassen sich an einer Hand abzählen. Ich helfe ihnen, ein WLAN-Repeater zu installieren, weil "very important for tourists" – Recht haben sie.

Ausserhalb der Stadt werden die Gegensätze extremer: Kriegsruinen stehen neben Neubauten günstiger Bauweise, Strassen sind entweder ein Meisterwerk oder ein geflickter Teppich. Ich bin mit dem Scooter unterwegs, werde oft in Dörfern von jungen Männern für Selfies mit altertümlichen Telefonen angehalten. Blauäugige Gingerheads fahren wohl nicht oft vorbei.

In Richtung der Ostküste wird die Bevölkerung ländlicher und dünner. Die Fischerei und die vier Busverbindungen bestimmen das tägliche Leben. Unterkünfte gibts auf Nachfrage – meist als Homestay. Hier gibt es keinen Tourist Prize mehr, dafür intensive Begegnungen. Bei mir eine Rundfahrt durchs Dorf mit dem Development Officer – die Einheimischen nennen ihn aber lieber Prime Minister, sie developpen lieber selber.

Am Strand reihen sich Fischerboote aneinander. Gleich daneben ein Spielplatz im europäischen Style. "World Vision" steht angeschrieben. Die Kette und das Schloss ums Eingangstor sind nicht sehr einladend.

Sandstrand ohne Touristen: Die Stände um Mullativu sind schön und menschenleer.
Sandstrand ohne Touristen: Die Stände um Mullativu sind schön und menschenleer.
Sonnenuntergang in Mullativu
Sonnenuntergang in Mullativu
Der Spielplatz von World Vision
Der Spielplatz von World Vision
Das höchste Gebäude im Ort ist die Tsunami-Warnanlage. Was ich denn machen müsse, wenn das Horn losgeht, will ich wissen. Ein verlegenes Kopfwippen. "You run...".
In der Memorial Church treffe ich zwei Mädchen in einer Ecke. Sie singen und zünden Kerzen für ihre Eltern an. Für sie und rund 300 weitere Namen auf den Säulen der Kirche kam die Warnanlage zu spät. Ich will mir die Welle lieber nicht vorstellen. 

Ausserhalb des Ortes erinnert ein weiteres Mahnmal an schlimme Zeiten. Eine Art Freiheitsstatue in einem See und ein kleines Museum erinnern an den Krieg. Die Anlage streng von der Sri Lankan Army (ausschliesslich Singalesen) bewacht. Ich bin verdächtig und interessant, erhalte eine Art Body Guard, der mir hinterherläuft und zum Schluss ein Foto von mir und der Statue macht.

"Switzerland" wird hier gerne gesehen und mit einem anerkennenden "oh Suizalandü" quittiert. Meine Rolle ist irgendwie zwiespältig. Ich bin eigentlich nur ein Tourist, vielleicht etwas interessierter als der Durchschnitt. Ich bringe aber kein Gratis-Geld und  keine Visa's für die Schweiz, vielleicht  etwas Hoffnung, dass bald mehr "tourism" kommt.

Zwei Tsunamiüberlebende trauern um ihre Eltern.
Zwei Tsunamiüberlebende trauern um ihre Eltern.

Prunkvoll, aber streng bewacht: Das War Museum in der Nähe von Puthukkudiyiruppu.